Gerald Stitz empfiehlt:

Wolf Haas:
Wackelkontakt

Bei diesem neuen Kriminalroman von Wolf Haas sticht sofort die Namensgleichheit des Hauptprotagonisten mit dem berühmten Illusionskünstler M.C. Escher ins Auge. Der Escher im Buch ist ein schräger Alleingänger, der seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Trauerreden bestreitet, riesige Puzzles zusammensetzt und gern Mafia-Romane liest. Er wartet auf einen Elektriker, der ihm eine Steckdose reparieren soll.

So weit, so gut. Doch dann passiert etwas, das mit dem Titel des Werkes zu tun hat und das man als Leser zunächst verdauen muss: “Wackelkontakt” kippt zwischen den Handlungsebenen.

Escher wartet also und liest, und in diesem Moment der Lektüre wird der Mafia-Killer aus dem Buch zur handelnden Figur. Elio, so heißt der geständige Ex-Mafioso, kommt in ein Zeugenschutzprogramm und bekommt eine neue Identität. Wir erfahren, dass er ein bürgerliches Leben in Deutschland unter neuem Namen beginnen soll, vorläufig aber noch im Gefängnis sitzt. Während seines Aufenthaltes dort liest er in einem Buch - über Escher. Die Handlung kippt, wir sind zurück bei eben diesem in der Küche, wo gerade der Elektriker klingelt.

Das Wechselspiel, das hier entsteht, gleicht den sich einander zeichnenden Händen des Malers mit den unmöglichen Bildern. Ursache und Wirkung wechseln, immer rascher, bis sie selbst als sinnvolle Begriffe verschwinden. Wirklich ist eben immer nur das, was wir gerade dafür halten.

Und doch ist dieses Buch keine Fantasy. Alltägliches und Skurriles münden vielmehr in einen spannend-komischen Krimi mit Tod, Entführung und Erpressung, garniert mit dem von diesem Schriftsteller gewohnten lakonischen Sprachwitz.

Lesevergnügen ist also bei “Wackelkontakt” garantiert - ja, Sie werden es verschlingen. Aber passen Sie auf, dass es Sie nicht verschlingt!

Hanser
9. Januar 2025
240 Seiten
25 Euro